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Tokio 2021: Julia Krajewski gewinnt Gold in der Vielseitigkeit

Ein Ritt für die Geschichtsbücher. Julia Krajewski gewinnt als erste Frau den olympischen Vielseitigkeitswettbewerb - FEI/Christophe Taniére

Tokio/JPN - Julia Krajewski ist Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit. Als erste Frau gewinnt die 32-jährige Junioren-Bundestrainerin aus Warendorf mit der elfjährigen Stute Amande de B’Neville die begehrteste Medaille im Sport. Titelverteidiger Michael Jung (Horb) wird mit Chipmunk FRH Achter in der Einzelwertung. In der Teamwertung hatte das deutsche Trio, dem auch Sandra Auffarth (Ganderkesee) mit Viamant du Matz angehört, knapp das Podium verpasst. Nach kleinen Fehlern im Gelände erkämpfte sich das deutsche Team mit drei Nullrunden im Springen Platz vier.

„Wahnsinn, ich kann mit Sicherheit sagen, ich habe es noch nicht richtig realisiert, was das jetzt heißt. Ich bin einfach unfassbar stolz auf mein Pferd und glücklich das geschafft zu haben. Und da ist ein ganz großes Gefühl von Dankbarkeit an all die Leute, die immer an mich geglaubt haben und hinter mir stehen. Mein Handy explodiert gerade. Irgendwie ist es ein riesiges Gefühl so eine Medaille gewonnen zu haben für Deutschland und für alle, die immer an mich glauben“, sagte Julia Krajewski nach ihrem Ritt und bedankte sich bei ihrem Pferd. „Sie hat mir unheimlich viel Sicherheit gegeben, ich hatte fast das Gefühl, sie weiß worum es geht heute und hat alles für mich gegeben. Die Medaille gehört genauso meinem Pferd wie mir. Ich bin einfach unheimlich stolz, das hier so abgeliefert zu haben."

Auch Hans Melzer freut sich für die ehemalige Sportsoldatin: "Das Pferd (Amande de B'Neville) ist einfach gigantisch, hat unheimlich Springvermögen, es ist ja auch entdeckt worden bei einem Springpferdechampionat in Frankreich, nicht bei einem Vielseitigkeitspferdechampionat. Julia hat heute zwei tolle Runden geritten. Sie hat es verdient zu gewinnen. Sie war in allen drei Teildisziplinen überragend, hat heute auch zwei fehlerfreie Runden geritten. Mehr geht nicht.“

Für Hans Melzer waren die Olympischen Spiele das letzte Championat als Bundestrainer. Unter seiner Führung stellte Deutschland vier Mal in Folge den Olympiasieger in der Einzelwertung. Hinrich Romeike (2008), Michael Jung (2012 und 2016) und nun Julia Krajewski. Melzers Fazit: "Ich bin stolz, stolz mit einer Goldmedaille abzutreten, ohne Frage! Auch wenn es jetzt nicht so hingehauen hat mit dem Team, da hatten wir uns natürlich mehr erhofft. Aber ein bisschen Glück gehört auch dazu. Wir hatten, glaube ich, die richtigen Paare hier, aber am Geländetag nicht das nötige Glück, wenn ich an Michi denke. Aber so ist der Sport. Aber einen versöhnlicheren Abschluss als heute - mit dem Team Vierter und Julia gewinnt - hätte es nicht geben können für uns.“

Michael Jung hatte seine dritten Olympischen Spiele mit einem Platz eins in der Dressur begonnen, musste sich aber mit Chipmunk FRH beim Geländeritt elf Strafpunkte für das Auslösen eines Sicherheitselementes anrechnen lassen. Im letzten Springen um die Einzelwertung kam ein Abwurf hinzu. Der dreimalige Olympiasieger landete auf Platz acht. „Das Ziel war null und schnell zu sein, ich hatte nur die eine Chance, die anderen ein bisschen unter Druck zu setzen, das ist jetzt nicht ganz aufgegangen, das ist natürlich ärgerlich“, sagte Jung. Seine Bilanz: „Das war alles nicht so ideal. Alles nicht nach Plan. Chipmunk ist ein tolles Pferd, er hat alles richtig gemacht die ganzen Tage. Das nötige Glück braucht man eben auch. Die letzten Male hatte ich das, jetzt hat es jemand anderes gehabt. Jetzt bin ich natürlich enttäuscht, aber wir kämpfen weiter“, sagte Jung. Sein Glückwunsch galt der neuen Olympiasiegerin: „Julia hat zwei klasse Runden gehabt, war gestern auch schon toll im Gelände. Das war bilderbuchmäßig. Ein verdienter Sieg auf jeden Fall!"

Nicht ganz wunschgemäß liefen die Olympischen Spiele auch für Sandra Auffarth und Viamant du Matz. Die Doppelweltmeisterin von 2014 schloss nach einer nicht ganz fehlerfreien Dressur und einem ebensolchen Gelände die Olympischen Spiele in Tokio mit einer souveränen Nullrunde im Team-Springen ab. "Er (Viamant du Matz) fühlte sich super frisch an. Toll, dass er den Geländetag so gut und frisch überstanden hat, ich hatte das Gefühl, er hätte nochmal das Gelände gehen können, so motiviert wie er war. Diese Frische hat er heute auch mit in den Parcours genommen, er sprang toll - wie gewohnt. Da freue ich mich natürlich sehr drüber“, sagte sie. Mit ihrem Gesamtergebnis landete Sandra Auffarth auf Platz 31 und damit den Einzug ins Einzelfinale.

Die Goldmedaille in der Teamwertung geht an Großbritannien vor Australien und Titelverteidiger Frankreich. In der Einzelwertung wird der Brite Tom McEwen mit Toleso der Kerser Zweiter hinter Julia Krajewski. Der Australier Andrew Hoy, mit 62 Jahren der älteste Teilnehmer, gewinnt mit Vassily de Lassos bei seinen achten Olympischen Spielen die Bronzemedaille.

Endstand Einzelwertung:
Gold: Julia Krajewski mit Amande de B’Neville, 26,0 Minuspunkte
Silber: Tom McEwen (GBR) mit Toledo de Kerser, 29,30
Bronze: Andrew Hoy (AUS) mit Vassily de Lassos, 29,60
4. Kazuma Tomoto (JPN) mit Vinci de la Vigne, 31,90
5. Oliver Townend (GBR) mit Ballaghmor Class, 32,40
6. Christopher Six mit Totem des Brecey, 35,20
7. Nicolas Touzaint (FRA) mit Absolut Gold; 33,9
8. Michael Jung (GER) mit Chipmunk FRH, 36,10

Endstand Teamwertung:
Gold: GBR: 86,3 Minuspunkte
Silber: AUS; 100,2
Bronze: FRA, 101,5
4. GER, 114,2
5. NZL, 116,4
6. USA, 125,8

 

FN Press

 

 

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